April 2009, Exkursion nach Dresden

Die Vorstandschaft der Dorferneuerung, der Gemeinderat mit Bürgermeister sowie die Vorstände örtlicher Vereine führten in Zusammenarbeit mit der Schule für Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterDorf- und Landentwicklung Thierhaupten eine Exkursion nach Dresden durch. Die SDL bietet seit 17 Jahren den Gemeinden und Regionen bei der Kommunalentwicklung Hilfestellung im ländlichen Raum.

Geschäftsführerin Gerlinde Augustin stellte kommunale Entwicklungsprojekte mit den verschiedensten Themen vor (Wirtschaft, Energie, Landwirtschaft, Infrastruktur, interkommunale Zusammenarbeit, demografische Entwicklung, neue Technologien, Strukturwandel, zeitgemäße Infrastruktur zur Sicherung und Entwicklung von Arbeitsplätzen und nicht zu vergessen - die Geschichte in der besuchten Region).

Gruppenfoto Exkursion Dresden
 

Der erste Besuch galt den kleinen Dörfern Ast und Hirschhöf in der Oberpfalz. Hier ist es gelungen, durch konsequente Förderung des Gewerbes in den Orten gut hundert Arbeitsplätze zu schaffen.

Besichtigt wurde die Wallfahrtskirche Ast. Sie gehört zu den wenigen Kirchen in der Umgebung, die nicht nur durch ihre wuchtige Bauweise auffällt, sondern auch im Inneren zeigt, dass sie viele Kunstwerke bietet. Die Kirche wurde in gotischer Bauweise errichtet, ab 1665 im Barockstil neu gestaltet, wobei die Verehrung Mariens in den Mittelpunkt gestellt wurde.

Dem Besucher bietet die einfache, aber doch schmuckvolle Kirche eine kunstvolle Einheit. Dass sie als Gnadenort ausgezeichnet worden ist, zeigt, dass viele Wallfahrtszüge, sogar bis aus Böhmen nach Ast gekommen sind.

 

Bei einem Ortsrundgang durch das Dorf wurden noch weitere Projekte besichtigt  z. B. Sanierung Pfarrheim, Sanierung Dorfplatz, Betrieb Stoll Gmbh mit der Umnutzung vom Schulgebäude, Besichtigung der Hofstelle Schön mit Bauerngarten (die Hofanlage mit unzähligen Kübelpflanzen und der Streuobstwiese wurde ausgezeichnet beim Wettbewerb "Bewahren - gestalten. Lebendig erhalten"). Vorgestellt wurde auch das Projekt "Landerlebnisreisen im oberen Bayerischen Wald."

 
Sepp Haller

Am Nachmittag wurde dann die Schäferei besucht. Keine Schafe!

Hier handelt es sich um Bayerns erstes Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterBioenergiedorf. Der kleine Ort hat 127 Einwohner, 46 Anwesen, 240 ha Landwirtschaftliche Fläche und 8 ha Wald.

Im Jahre 2005 wurden 2 Biogasanlagen gebaut (6 Landwirte mit 500 kWel und 2 Landwirte mit 70 kWel). Das Nahwärmenetz wurde gebaut (Versorgung von derzeit 14 Anwesen, 11 weitere Anschlüsse sind geplant).

2007: Bau einer Trocknung für Schnitt- und Brennholz und Getreide zur Restwärmenutzung. Landerlebnisreisen - Umweltbildung Schäferei.

Geschäftsführer Sepp Haller informierte mit Herzblut und viel Engagement über die Energieversorgung der Zukunft, z. b. wie die Nutzung der Sonnenenergie über den Energiespeicher Biomasse funktioniert und wie die ältesten Bakterien dieser Erde brennbares Gas erzeugen. Wer mit Biogasanlagen ein gewisses "Gschmackerl" in Verbindung brachte, war -positiv- enttäuscht. Man konnte fast nichts riechen, was aber mit der optimalen Ration und den laufenden Analysen der Gärsubstrate zusammenhängt.

Ein Partyservice (von Meisterinnen der ländlichen Hauswirtschaft) servierte im ehemaligen Kuhstall von Sepp Haller kulinarische Schmankerl aus dem Waldmünchner Raum.

 

Bei der Weiterfahrt nach Dresden, noch ca 370 km, wurden im Bus viele Informationsblätter des Bioenergiedorfes studiert. Die "Saat" von Sepp Haller ist aufgegangen. Aus den Diskussionen war viel Bewunderung für den Landwirtschaftsmeister und Energiewirt zu hören.

 

Der zweite Tag war ganz der Geschichte und der Entwicklung im Raum Dresden gewidmet. Eine äußerst kompetente Führerin, Frau Irene Selzer, begleitete uns den ganzen Tag.

Der erste Abstecher führte zum kurfürstlichen Jagdschloss Moritzburg mit seinen unzähligen Jagdtrophäen. Das Schloss liegt idyllisch in die Teichlandschaft des Friedewalds eingebettet, die durch ihre dichten Laubwälder und den Wildreichtum die fürstlichen Jäger vom Dresdner Hof herlockten.

In Moritzburg wurde auch ein bedeutendes Kapitel deutscher Kunstgeschichte geschrieben. Vor dem ersten Weltkrieg war das Schloss bevorzugter Aufenthalt einer Gruppe von Künstlern, die sich als Gemeinschaft den Namen "Die Brücke" gaben.

 

 

 

Auf eine über 800jährige Geschichte kann die einstige Residenz- und Hauptstadt des Freistaates Sachsen zurückblicken - DRESDEN.

Kaufleute und Handwerker drangen in das von Slawen an der Flussniederung besiedelte Land vor, dessen Bewohner "Dresdzany", d.h. Sumpfwaldbewohner, genannt wurden. Aus der dörflichen Siedlung mit markgräflicher Burg entwickelte sich die befestigte Stadt mit den ältesten Kirchen, der Kreuzkirche und der alten Frauenkirche. Unter dem "Balkon Europas", der Brühlschen Terrasse, liegt mit der Festung der wohl älteste Teil Dresdens. Einst als Mauerring angelegt und von einem breiten Wassergraben umgeben, findet man neben dem 400 Jahre alten Ziegeltor, dem letzten erhaltenen Stadttor Dresdens, die historischen Überreste mittelalterlicher Wehranlagen, die alte Stadtbrücke, die kleine Bastion und die berühmten Kasematten.

Der Glanzpunkt der Exkursion war sicher der Besuch der Frauenkirche mit einer Orgelandacht.  Eine Kirchenführerin sprach von der Kanzel aus über die Geschichte und den Wiederaufbau der Frauenkirche und erläuterte Gestaltung und Symbolik des Kirchenraums.

Bei der anschließenden Stadtrundfahrt durch die Alt- und Neustadt brachte uns Irene Selzer wieder die Geschichte nahe, unter anderem mit vielen Bildern der zerstörten Stadt. Über die Brücke "Blaues Wunder" ging es dann zum schönsten Milchladen der Welt. Die Dresdner Molkerei Öffnet einen externen Link in einem neuen Fenster"Pfunds", gegründet 1880 war bis in die 80er Jahre eine Dresdner Sehenswürdigkeit, wurde dann dem drohenden Verfall entrissen und heute nach weit über 100 Jahren, dank der filigranen Kunst großartiger Restauratoren, im neuen, alten Glanz erstrahlend. Seit 1995 ist alles wie früher im Milchladen von Pfunds.

Der schönste Milchladen der Welt steht heute als Sinnbild einer Epoche. Sie kündet von der lenkenden Tatkraft zweier vorwärtsstrebender Männer, denen das Wohl ihrer Mitarbeiter am Herzen lag und deren Lebenswerk in die Doktorarbeit des Pfund-Sohnes Kurt einging: "Die Versorgung großer Städte mit Milch". Das der Milchladen floriert, davon konnten sich auch unsere Bauern überzeugen.

Zum Abschluss des Tages wurde noch eine der reichsten Schatzkammern und ältesten Museen besucht, das "Neue Grüne Gewölbe". Es präsentiert über 1000 unschätzbar wertvolle und schöne Exponate aus drei Jahrhunderten.

 
 

Am dritten Tag stand die Fahrt nach Töpen auf dem Programm. Der Ort hat etwa 1135 Einwohner und umfasst eine Fläche von 20,80 Quadratkilometer.

Der Empfang im Dorfgemeinschaftshaus durch Bürgermeister Klaus Grünzner und Verwaltungsangestellte Bettina Teuber war äußerst herzlich. Kathrin Riedel vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberfranken stellte das übergemeindliche Entwicklungskonzept vor.  Beim Rundgang durch den Ort präsentierte Bürgermeister Grünzner nicht ohne Stolz die abgewickelten Dorferneuerungsprojekte. Bürger, Gemeinde und Amt für Ländliche Entwicklung ziehen seit Jahren effektiv an einem Strang, um die Maßnahmen bestmöglich durchzuführen.

Töpen, eine 700 Jahre alte Gemeinde an der ehemaligen innerdeutschen Grenze ist heute eine attraktive Gemeinde mit über 500 Arbeitsplätzen. Die Gemeinde hat ein Gewerbegebiet mit ca. 20 ha ausgewiesen.

 

Das Kulturdenkmal "Dreifreistaatenstein" stand anschließend auf dem Programm. Der Grenzstein 115 am Rande des Landkreises Hof ist heute der einzige Ort, wo sich drei "Freistaaten" begegnen: Bayern, Thüringen und Sachsen.

Um diese Besonderheit angemessen zu zeigen, wurde das Denkmal landestypisch neu eingekleidet, ein Drittel in Fichtelgebirgsgranit, ein Drittel in sächsischem Marmor aus Theuma und das dritte in Lehestener Schiefer. Der alte Grenzstein wurde in die Mitte gesetzt.

 
 

Zum Abschluss der Exkursion stand noch das Deutsch-Deutsche Museum Mödlareuth auf dem Programm. Der Ort, der durch die Grenzmauer zweigeteilt war, wurde zu einem sehr bedrückenden Dokument von Geschichte und Gegenwart. 

 
 

 

 

Fotos: RK

Text: JW