Musikfest naht: In Soien steigt die Spannung

 

"Erwartungshaltung ist enorm"

 

Schwabsoien - Von einer "enormen Erwartungshaltung" spricht Dirigent Gerhard Schmid im Hinblick auf das Musikfest, das die Blaskapelle Schwabsoien Ende April für den Bezirk Oberland (im Musikbund für Ober- und Niederbayern) ausrichtet. Aber die Aktiven können mit dem Druck gut umgehen, zumal die Vorbereitungen seit zwei Jahren laufen. SN-Redaktuer Jais unterhielt sich mit Schmid; der 32-jährige Berrufsschullehrer leitet seit 10 Jahren die örtliche Blaskapelle. Lesen Sie das Interview!

 

Das Musifest ist nah - wie ist die Stimmung in der Kapelle?

 

Gerhard Schmid: Die Spannung steigt. Und auch die Freude auf dieses Fest. Wir haben in unserer Gemeinde noch nie ein Musikfest ausgerichtet. Umso mehr bemühen wir uns um eine gute und umfassende Organisation. Die   Erwartungshaltung ist enorm- sowohl in der Kapelle als auch in der Gemeinde. Unsere Hoffnung ist, dass der Aufwand, der sich schon über zwei Jahre hinzieht, mit einem unvergesslichen Fest belohnt wird.

 

Welchen Stellenwert hat die Blaskapelle in Schwabsoien, wo die Singgemeinschaft seit Jahrzehnten das musikalische Aushängeschild darstellt?

 

Gerhard Schmid: Schwabsoien darf stolz sein auf diesen Männerchor. Wir sehen uns nicht als Konkurrenz. Im Gegenteil - wir musizieren auch gemeinsam. Der Festgottesdienst am Jubiläumssonntag wird von der Singgemeinschaft mitgestaltet. Auch haben Blaskapelle und Singgemeinschaft gemeinsame Stücke im Repertoire, seien es Polkas oder Märsche. Der Stellenwert der Kapelle äußert sich durch viele Auftritte innerhalb des gemeindlichen Lebens. Damit dies so bleibt, müssen wir unseren eigenen Beitrag leisten, indem wir bei den Stücken Vielseitigkeit beweisen. Wir schwenken auch in die moderne Richtung, etwa bei Tanzveranstaltungen, als auch in die sinfonische Richtung, insbesondere bei den Konzerten.

 

Welche Bedeutung messen Sie Wertungsspielen bei?

 

Gerhard Schmid: In Schwabsoien sind wir heuer als viel beschäftigter Gastgeber nicht dabei. Doch wenn Trauchgau für den Nachbarbezirk Füssen drei Monate später das Musikfest ausrichtet, spielen wir natürlich wieder mit. Bereits in den vergangenen Jahren haben wir uns rege an den Wertungsspielen beteiligt. Die Vorbereitung und die Aufführung vor der Jury stellen eine gute Möglichkeit dar, einen Klangkörper zu formen. Kritik von außen, und zwar von Profis, kann eine Kapelle nach vorne bringen:

 

Wie viele Musiker sind zurzeit in der Kapelle aktiv?

 

Gerhard Schmid: In der Musikkapelle sind es 38 Jugendliche und Erwachsene. wir haben 14-Jährige ebenso wie einen 73-Jährigen. In der Jugendblaskapelle sind es sechzehn Buben und Mädchen. Diese werden seit März 2006 von Stefan Wohlhaupter geleitet, worüber ich mich sehr freue.

 

Stichwort Instrumentierung: Wie sind die Register besetzt?

 

Gerhard Schmid: An sich sind wir derzeit in allen Registern ordentlich besetzt. Es geht voran. Es ist mittlerweile ein Mädchen an der Oboe in Ausbildung.  Auch bei den Flöten hat's einen Schub gegeben. Erwähnen möchte ich unseren jungen Waldhornisten. Im tiefen Blech, was in manchen Kapellen ein Sorgenkind darstellt, sind wir gut ausgestattet. Wo wir noch Bedarf an Nachwuchs haben, ist das hohe Blech, sprich bei Trompete und Flügelhorn.

 

Worauf kommt es Ihnen an, wenn Sie die Literartur für die Kapelle auswählen?

 

Gerhard Schmid: Das Wichtigste ist, dass das Stück mir gefällt. Das klingt im ersten Moment egoistisch. Aber es ist nun mal meine Aufgabe, das Stück zu interpretieren und den Musikanten nahe zu bringen. Und das geht leichter, wenn ein Dirigent von einem ausgewählten Stück von Anfang an überzeugt ist. Die Entscheidung für ein Stück ist auch eine Sache des Herzens. Klar ist, dass der Schwierigkeitsgrag auf die Kapelle abgestimmt sein muss.

 

Was ist Ihr Lieblingsstück?

 

Gerhar Schmid: Das Lieblingsstück schlechthin gibt es nicht. Das hängt von der Stimmung und vom Anlass ab. Ich habe eine Reihe von Lieblingsstücken. Dazu gehört das Stück "The New Village" von Kees Vlaak, das wir als musikalischen Höhepunkt für den Festakt am 22. April einstudieren und das wir wie eine musikalische Zeitreise durch unser eigenes Dorf sehen.

 

Welche Musik gefällt Ihnen überhaupt nicht?

 

Gerhard Schmid: Die Musik ist viel zu farbig und vielfältig, als dass bestimmte Stilrichtungen ausgeblendet werden dürfen. Nur braucht alles seinen Moment. Blasmusik und Rockmusik im Bierzelt ja. Aber wenn ich zur Ruhe kommen will, dann darf's eine sinfonische Ballade von einem Militärorchester sein. Schade ist es, wenn Menschen einseitig fixiert sind. Das gilt auch für Musiker. Sind wir doch froh um die musikalische Vielfalt.

 


 

 

Johannes Jais

Schongauer Nachrichten

vom 11. April 2006