So denken junge Nachwuchphysiker

 

Komplizierte Sachverhalte vermittelt

 

Schongau - Da soll noch einer behaupten, dass man auf der Schule nichts fürs Leben lernt: Bereits in der fünften Klasse am Welfengymnasium erhielt Markus Aspelmeyer, Mitarbeiter an der Uni Wien, eine Lektion von seiner Mathelehrerin, die er heute noch beherzigt: "Wenn der Mathematiker nicht weiter weiß, setzt er sich auf die Couch und denkt nach".

 

Zusammen mit zwei anderen Nachwuchsphysikern, die ebenfalls am Welfengymnasium ihre Abiturprüfung abgelegt haben, nämlich Stella Seitz (Abi 1987) von der Ludwig-Maximilian- Universität in München und Michael Wolf (Abi 1993) vom Max Planck-Institut für Quantenoptik Garching gab Aspelmeyer (Abi 1993) im Rahmen eines Aktiontags zum Einsteinjahr Schülern und Interessierten an seiner ehemaligen Schule einen Überblick über aktuelle Forschungsarbeiten, die auf Theorien Albert Einsteins beruhen. Organisiert hatte die Veranstaltung Manfred Mayer, Fachbetreuer Physik am Welfengymnasium.

 

Spieltrieb

 

Wer sich an seinen Physikunterricht erinnert, wo der Lehrer mit ungehemmtem Spieltrieb und nahezu kindlicher Begeisterung zahllose Versuchsreihen aufbaute und die Beobachtungen dazu in unzähligen mathematischen Formeln an die Tafel bannte, dem wird klar: Physiker sind anders. Sie können keinen Apfel vom Baum fallen sehen, ohne sich zu überlegen, wie dieser Vorgang rechnerisch erfasst werden könnte. Licht besteht für den Physiker aus unzähligen Elementarteilchen, die es zu erforschen und in Formeln zu pressen gilt.

Während Otto Normalbürger beim Blick in den nächtlichen Sternenhimmel allenfalls romantische Gefühle entwickelt, beginnen die Gehirnwindungen des Physikers dabei erst richtig zu rotieren: "Gibt es noch andere Galaxien außer der unseren?" Und wenn ja, wie viele? Der Physiker ruht nicht eher, bis er alle Phänomene dieser Erde logisch erfasst hat. Und da es derer viele gibt, gibt es auch noch jede Menge zu tun für den Physiker.

"Die Sehnsucht der Menschen verlangt nach einer gesicherten Erkenntnis", zitierte Stella Seitz Albert Einstein, der viele große, die Physik revolutionierende Erkenntnisse quasi nebenbei zu seinem Job am Patentamt in Bern gewann. "Das ist der Grund, warum einige von uns Physik machen", so Stella Seitz, die über ihre Forschungsarbeiten zur Gravitationslehre berichtete und das Universum als unbegrenztes Spielfeld für Physiker bezeichnete.

Über die aktuellen Arbeiten zur Quantentheorie informierten Markus Aspelmeyer und Michael Wolf. Und wenn auch einige Besucher sich der Meinung Dr. Wolfgang Geblers anschließen mussten, der meinte, dass er vom Gehörten beeindruckt, aber immer mal wieder überfordert gewesen sei, ein Eindruck blieb: "Eine Schule, die trotz Unkenrufen und alarmierenden Pisa- Studien, so engagierte Fachleute hervorbringt, die interessant und kurzweilig komplizierte Sachverhalte zu vermitteln wissen, kann so schlecht nicht sein".

 

uf   Schongauer Nachrichten vom 22.11.2005

 

 

von links: Dr. Michael Wolf, Dr. Stella Seitz, Dr. Markus Aspelmeyer
 


Spruch des Tages:

 

" Mit Mikrophon habe ich immer das Gefühl, ich höre, was ich sage, bevor ich weiß, was ich meine!"

 

 

Dr. Michael Wolf, Mitarbeiter des Max Planck-Institus, der bei seinem Vortrag auf technische Unterstützung verzichtete.