Die Köhlerei im Sachsenrieder Forst

 

In früheren Jahrhunderten war in unserem Waldgebiet die Köhlerei, das Kohlenbrennen, ein bedeutender Wirtschaftszweig und somit ein blühendes Gewerbe. Während zuerst das Holz in Erdgruben unter weitgehendem Luftabschluß verkohlt wurde, war zur Blütezeit im 18. Jahrhundert bis in die Neuzeit die Meilerköhlerei üblich. Die Ausweitung der Eisenerzeugung hatte einen sprunghaften Anstieg des Bedarfs an Holzkohle zu Folge.

 

Zum Kohlenbrennen wurden vorwiegend Buchen-und Fichtenscheite verwendet. Auf der Köhlerplatte wurde zunächst durch Einschlagen und Versteifen von zwei oder drei Pfählen der "Quandelschacht" vorbereitet.

 
Meiler

Da die Köhlerei viel Erfahrung und Geduld erfordert, hatte jeder sein eigenes Konzept, wie er den Schacht entweder vor dem Aufschichten mit Spänen und Kleinholz füllte und von unten durch ein Feuerloch  entzündete, oder erst nachdem die Scheite aufgestellt waren den Quandelschacht von oben mit trockenem Reisig füllte und auch von dort entzündete.

 

Bei beiden Varianten wurden die ein Meter langen Hölzer ringsherum mit leichter Schräglage in zwei Schichten übereinander gestapelt und alle Zwischenräume mit Kleinholz sorgfältig ausgefüllt. (Holzmenge ca. 10 - 100 Ster).

 

Der nun aufgeschichtete Meiler wird mit Reisig, Erde und Holzkohlenstaub (Lösche) luftdicht umhüllt und festgeklopft. So wird verhindert, dass Luft an die glühende Kohle gelangt. Ohne diesen Mantel würde von dem aufgeschichteten Holz nur ein Häuflein Asche übrigbleiben.

 

Das Ausbrennen des Quandelschachtes liefert die erforderliche Hitze, die das Schwelen des Meilers bis zum Einsetzen der exotermen Reaktion bringt.

Die Verkohlung schreitet V-förmig von oben nach unten fort und ist vom Köhler nach Art und Farbe des entweichenden Rauches zu kontrollieren und durch Abdichten oder zusätzliches Anlegen von Zuglöchern zu steuern.

Während der ersten Tage nach dem Anzünden muss unter Umständen zwischendurch der "Kamin" kurzzeitig geöffnet und mit Kleinholz nachgeschürt werden.

 

Entweicht nach einer bis drei Wochen (je nach Größe und Feuchtigkeit des Holzes) kein Rauch mehr aus dem Meiler, kann der Mantel vorsichtig entfernt und mit der "Ernte" begonnen werden.

Aus einem Ster Holz können etwa 80 - 100 kg Holzkohle gewonnen werden.

Während der Verkohlung ist der Meiler unter ständiger Aufsicht des Köhlers, um den Prozeß zu steuern. Er lebte in dieser Zeit in einer kleinen Köhlerhütte direkt neben der Kohlenplatte.

 

Die Holzkohlen aus unseren Waldgebieten wurden zum größten Teil von den Hammerschmieden in Schwabsoien verbraucht

Überall im Forst und in den waldnahen Feldern (Kohlstatt, Kohlwald) findet man heute noch die bis zu 15 m Durchmesser großen Kohlenplatten.