Musischer Italiener findet überall Ideen

Josef dichtet, malt und musiziert

 

VON KERSTIN HAMANN

Schwabsoien - Josef Bassetti schaut aus dem Fenster. "Ich finde überall Ideen. Man muss sich nur umsehen." Er schreibt Geschichten über alles, was ihm einfällt: Fasnacht, Liebe, Lokomotiven, Erbschaft. Sogar über einen Blumenstock könnte er schreiben. Hat er aber noch nicht. Denn in der Riege der Schreiberlinge ist der 57-Jährige noch nicht lange anzutreffen. 2004 fing er mit dem Schreiben einfach an. In seinem ersten Werk geraten Nikolaus und Krampus in Wortgefechten aneinander. Nicht nur für den Leser eine humoristische Kurzweil. "Beim Schreiben habe ich selbst eine Mordsgaudi und lache viel dabei." Er erzählt dies mit einem Lächeln. Die ausgeprägten Lachspuren um die Augen verraten, dass er viel lacht. Wenn Bassetti seine Geschichten vorträgt, kennt seine Begeisterung kaum Grenzen. Der Text fließt vom ersten Gedanken aufs Blatt, sagt er. Spontanität ist Bassetti wichtig. Der quirlige Schwabsoiener hat eigene Rezepte, wenn es doch einmal hakt. Dann lässt er die Texte - mittlerweile sind es 16 Geschichten - ein paar Tage liegen.

Der Italiener, der 1964 als Gastarbeiter nach Deutschland kam, schreibt Dialekt. "Das gefällt mir nun einmal sehr gut." Bekannte schauen dann über das Geschriebene und korrigieren hier und da. Noch hat der Natursteinleger seine Sammlung vor keinem Publikum zu Gehör gebracht. Die meisten seiner Geschichten sind handschriftlich auf viele Zettel abgefasst. Aber er behält den Durchblick in seinem ganz eigenen Ordnungssystem.

"Ich suche jetzt jemanden, der über die Texte schaut und sagt, ob sie was taugen und wo ich etwas verbessern könnte." Obwohl Bassetti Dialekt spricht, ist er sich in der Schreibe nicht sicher, wie er offen zugibt. Seine Prämisse lautet: Ironisch sein, aber niemanden verletzen. "Ich möchte ganz einfach meine Gedanken niederlegen für die Nachwelt." Ursprünglich, volkstümlich sind seine mundartlichen Geschichten, die von dem Leben samt alltäglicher Begebenheiten berichten. Aber auch Gleichnisse sind ihm nicht fremd. In "Der Rentner und die Lokomotive" erzählt Josef Bassetti vom Lebensweg einer Dampflok, die viel auf Reisen geht, den Krieg erlebt, von der Technik überholt wird und zu guter Letzt als ein Museumsstück endet. Parallelen zur menschlichen Biografien sind beabsichtigt.

 

Musik, Malerei, Garten

Für ihn ist das Schreiben ein Hobby neben anderen. Der gebürtige Trienter gibt sich musisch, ohne einen Künstler darstellen zu wollen. Er mag es bodenständig. Porträts zeichnet der Vater dreier Kinder. Außerdem musiziert er. Gartenarbeit ist ihm wichtig. Als Mitglied im Gartenbauverein baut er Wein an und betreibt eine Obstpresse. Immer wieder zieht es ihn hinaus in die Natur, zu Waldspaziergängen oder zum Pilze sammeln. "Schreiben ist mein Ausgleich in der Winterzeit. Wenn ich nachts nicht schlafen kann, dann setze ich mich an den Tisch und fange an zu schreiben." Noch nicht geklärt ist, wann die Ergebnisse des nächtlichen Schaffens für ein Publikum aufbereitet sein werden.


 

 

 


 

Kerstin Hamann

Schongauer Nachrichten

vom 27. Februar 2006