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Gemeinde
Schwabsoien
Am Knöbel

Geschichtliches zur Post

Vorbedingungen für Übertragung des Postagenturdienstes (um 1900) 

  1. Der Bewerber soll selbständig sein und ein eigenes, örtlich günstig gelegenes Haus besitzen, in dem die Postagentur in einer zur ebenen Erde gelegenen, gut belifteten und etwa 16 qm großen Räumlichkeit gesichert untergebracht werden kann. Für die Einrichtung und entsprechende Versicherung des Postlokals hat der Bewerber, sobald ihm die Postagentur übertragen ist, selbst zu sorgen und aufzukommen.
  2. Muß Bewerber die nötige Schulbildung besitzen und in der Lage sein, den Postagenturdienst in der Hauptsache in eigener Person zu besorgen und im Verhinderungsfalle ein Familienangehöriges (Ehefrau, erwachsene Kinder ect.) zur Stellvertretung oder Beihilfe im Postdienste heranzusziehen.
  3. Sollen bestimmungsgemäß als Postagenten nur solche Personen berufen werden, deren wirtschaftliche Existenz sich auf eine andersweitige Berufstätigkeit gründet und welche daher die Agenturgeschäfte nur im Nebenerwerbe besorgen. Über diese Punkte hat sich der Bewerber in einem anher einzureichenden, selbst gefertigten und selbst geschriebenen Gesuche eingehend zu äußern. Diesem Gesuche sind beizulegen: ein Leumunds=, Vermögens und Familienstandszeugnis des Bewerbers mit genauer Angabe seiner Geburts- und Abkundftsdaten (Vor- und Zunamen der Eltern - der Mutter Geburtsname);  Militär= und Führungsattest oder sonstiger Ausweis über Militärverhältnis (aber nicht MIlitärpaß); etwaige Zeugnisse über den Besuch anderer Schulen als der volksschule oder über sonstige frühere Schulungen; ein Grundriß des Erdgeschosses des Hauses, in welchem die Postagentur untergebracht werden soll mit näherer Bezeichnung der als Postlokal verwendbaren Räumlichkeit.

16. Mai 1908

K. Oberpostdirektion Augsburg schreibt an die Gemeindeverwaltung Sachsenried

Betreff: Die Postfahrverbindung Schongau - Kaufbeuren

Die Unterhaltung der durchgehenden Postfahrverbindung Kaufbeuren-Osterzell-Schongau ist auf der Strecke Osterzell-Schongau wegen der ungünstigen Nachtkurszeiten, besonders während der schlechten Jahreszeit, unverkennbar mit Schwierigkeiten für Reisende, Postillion und Gespann, Gefahren für Leben und Gesundheit verbunden.

Die ungünstigen Straßenverhältnisse zwichen Osterzell und Sachsenried, durch den großen Sachsenrieder Forst, stellen an das Pferdematerial außerordentlich große Anforderungen, durch die eine vorzeitige Abnützung der Pferde verursacht wird.

Von beteiligten Postanstalten wird die Notwendigkeit einer durchgehenden Postfahrtverbindung zwischen Kaufbeuren und Schongau, sowohl für den Post- als auch für den Personenverkehr vereint.

Es wird nun beabsichtigt, die Postfahrtverbindung Osterzell-Schongau aufzuheben und an deren Stelle zwischen Sachsenried und Schongau täglich zweimalige Karriolpostfahrten einzurichten. Zur Durchführung der geplanten Karriolpostfahrten werden die beiden nachstehenden Entwürfe für die Kurszeiten zur gefl. gutachtlichen Äußerung unterbreitet:

 

8.35   7.05      ab Schongau   an      7.45   1.35

9.05   7.35       ab Altenstadt   ab      7.20   1.00

9.45    8.15      ab Schwabsoien ab   6.40   12.30   

10.30   9.00     an Sachsenried  ab    6.00   11.40 Uhr 

4.00    12.40     ab Schongau      an   7.45    7.00

4.30    1.10       ab Altenstadt      ab    7.20    6.35

5.10    1.50        ab Schwabsoien  ab  6.40    5.55

5.55    2.35        ab Sachsenried    ab  6.00   5.15

Nach dem 1. Entwurfe würden sich die mit Lokalzug 9 um 11.36 und mit dem Lokalzug 3 um 8 Uhr in Schongau eingegangenen Brief- und Paketpostzustellungen mit der Karriole um 8.35 den beteiligten Postanstalten zugeführt werden und im Laufe des Vormittags in den Besitz der Empfänger gelangen.

Mit der um 7.05 in Schongau abgehenden Karriole würden die mit den Lokalzügen 5 und 7 um 12.04 bezw. 6.33 in Schongau eingegangenen Postsendungen befördert werden, die dann am nächsten Morgen zugestellt würden. Die bei den beteiligten Postanstalten eingelieferten Postsendungen würden mit den um 6 Uhr und 11.40 in Sachsenried abgehenden Karriolen und ab Schongau mit den Lokalzügen 4 und 6 um 8.28 bzw. 2.02 Mitbefärderung finden.

Nach dem 2. Entwurfe würden die mit den Lokalzügen 7 und 9 um 6.33 bzw. 11.26 in Schongau eingegangenen Postsendungen mit der Karriole um 4.00 weiterbefördert und wie bisher zugestellt werden. Ferner würde die um 11.04 mit Lokalzug 5 in Schongau zugegangene Briefpost mit der Karriole um 12.40 den Postanstalten zugeführt und am Nachmittag den Empfängern zugestellt werden. Die Wegführung der bei den Postanstalten aufgegebenen Postsendungen würde mit den um 6.00 und 5.15 in Sachsenried abgehenden Karriolen erfolgen, die an die Lokalzüge 4 und 8 anschließen würden.

Durch die Einrichtung einer täglich zweimaligen Karriolpostverbindung zwischen Sachsenried und Schongau würde für die in Betracht kommenden Ortschaften eine, allen billigen Anforderungen entsprechende, sowohl für den Post- als auch für den Personenverkehr günstige Verkehrsverbindung geschaffen werden.  

Ich ersuche um gefl. Äußerung ob z. F. welche Bedenken gegen die Auflassung der durchgehenden Postfahrtverbindung Kaufbeuren-Schongau auf der Strecke Osterzell-Schongau bestehen.

Etwaige auf die Kurszeiten der neuzuerrichtenden Karriolpostverbindung Sachsenried-Schongau bezügliche Abänderungsvorschläge werden insofern dieselben nicht eine Verschlechterung in der Beförderung der Postsendungen zur Folge haben werden, nach Tunlichkeit Berücksichtigung finden.     Ferber

Postagentur in Sachsenried

Die 1. Postagentur in Sachsenried wurde von Max Högner (HsNr. 3) betreut. Er war nicht nur für die Postzustellung verantwortlich, sondern war auch für die Unterbringung und Verpflegung der Pferde zuständig.

3 Generationen lang betreute die Familie Hofmair die Poststelle, die aber 1985 endgültig geschlossen wurde.